Zwiebelkuchen auf meine Art, mit Wildkräuteröl

Zwiebelkuchen auf meine Art, mit Wildkräuteröl

Mein letzter Beitrag liegt länger zurück, ich weiß. Ich habe meinen Blog ein wenig vernachläßigt, aber nicht ohne Grund: ich erfülle mir gerade einen Traum und mache die Ausbildung zum Kräuterpädagogen!
Wenn du meinen Tatort schon öfter betreten hast, dann weißt du ja vielleicht, dass es mir das wilde Grün schon lange angetan hat. Aber seit sechs Wochen, seit Kursbeginn also, bin ich eigentlich, wenn ich mich auf freiem Gelände befinde, nur mehr mit der Nase am Boden. Wobei, freies Gelände stimmt gar nicht, ein ungemähter Straßenrand (leider eine Rarität) gibt auch schon genug Anlaß zu höchster Aufregung, und oft ist es eine Qual, dass ich gerade hier nicht einfach mit dem Auto stehen bleiben und aussteigen kann!
Auch meine Bibliothek ist um einige Bücher, genauer gesagt dicke Wälzer, reicher geworden … naja das war nicht vermeidbar. Ich musste mich von einigen meiner Kochbücher trennen und habe sie meiner Tochter geschenkt (sogar ein Ottolenghi war dabei!), ich hoffe sie werden in Ehren gehalten!
Aber, zwischen den Hexenausflügen und den für mich ungewohnten Studiersitzungen müssen mein Mann und ich auch mal was essen (der Ärmste, er muss im Moment ständig neue Wildkräutergerichte testen und beweist wirklich tiefstes Vertrauen zu meinen Bestimmungskünsten!), und so gibt es heute wieder mal ein Rezept von mir.
Meine Mama hat den idealen Boden für die Riesen – Jausenzwiebel, sie haben heuer teilweise Grapefruitgröße, und da mache ich dann immer meinen Zwiebelkuchen, denn sie sind mild und zart schmelzend im Geschmack.

Anmerkung der Redaktion: Das ist kein französischer Zwiebelkuchen, und auch kein Flammkuchen, es ist meine Art eines deftigen Blechkuchens! Ich liebe Hefeteig, und deshalb habe ich den Teig immer gern etwas dicker, nicht so papierdünn wie beim Flammkuchen. Und damit er schön flaumig wird, gebe ich etwas Topfen in den Teig.
Du kannst ihn am nächsten Tag ohne Probleme nochmal kurz im Backofen aufbacken, da schmeckt er fast noch besser.

Vor dem servieren wird der Kuchen noch mit frischem Wildkräuteröl beträufelt … ja das muss sein! (Nein, du darfst das Öl auch mit Gartenkräutern herstellen!)

Für den Hefeteig brauchst du:
Vorteig:
100 g Pizzamehl (oder glattes Mehl)
10 g frische Hefe
1 TL Rohrzucker
etwas Wasser
für den Hauptteig:
500 g Pizzamehl (oder glattes Mehl)
den Vorteig
80 g Topfen
1 TL Salz
50 ml Olivenöl
ca. 150 ml Wasser

Für den Vorteig mischst du alle Zutaten, gib soviel Wasser dazu, dass ein zähflüssiger Teig entsteht. Nimm unbedingt eine größere Schüssel, da die Masse aufgeht. Decke die Schüssel zu und lasse den Vorteig über Nacht im Kühlschrank aufgehen (der Teig kann dort bis zu 24 Stunden stehen.)

Nimm den Vorteig eine Stunde vor Weiterverarbeitung aus dem Kühlschrank. Bereite aus den Zutaten sowie dem Vorteig nun einen Hefeteig zu, er soll recht weich sein, es könnte also sein, dass du etwas mehr Wasser brauchst. Knete ihn 10 Minuten, dann legst du ihn in die Schüssel und läßt ihn gehen, bis er sein Volumen verdoppelt hat (ca. 2 Stunden, je nach Temperatur).
Bereite inzwischen den Belag vor.

Dafür brauchst du:
Eine sehr große, schöne, möglichst milde Zwiebel (oder zwei kleinere)
1 EL Olivenöl
etwas Salz
eine rote Paprika
200 g Schafkäse
ev. einige Oliven
Für die Creme:
1 Becher Creme Fraiche
1 EL Mascarpone
1 EL Olivenöl

3 EL frische gemischte Kräuter, gehackt (Wildkräuter oder Gartenkräuter wie Salbei, Oregano, sehr lecker schmeckt hier auch fein gehackte Minze…)
Salz, Pfeffer, Chiliflocken

Schäle und halbiere die Zwiebel, schneide die Hälften in feine Streifen, gib diese in eine kleine Schüssel, füge Olivenöl und eine Prise Salz dazu und stelle sie beiseite.
Schneide die Paprika in Ringe und den Schafkäse in Würfel.
Für die Creme, die auf den Teigboden gestrichen wird, mischst du alle Zutaten gut durch.

Belege ein Backblech mit Backpapier und heize den Backofen vor auf 220°C.
Rolle nun den Hefeteig zu Backblechgröße aus, am besten geht das mit einem Miniteigroller am Blech selber. Wenn du den Teig mit Frischhaltefolie abdeckst, bleibt der Roller nicht kleben! Drücke den Teig mit den Fingern zurecht, sodaß der Rand etwas dicker und die Innenfläche dünner ist.
Bestreiche den Boden dünn mit der Creme und lasse ihn etwa 20 Minuten aufgehen, er soll nicht mehr zu hoch werden.
Verteile die Zwiebel gleichmäßig auf dem Teigboden, ebenso Paprika, Käse und Oliven.
Schiebe das Blech in den Ofen und backe den Kuchen etwa 20 – 25 Minuten, je nachdem wie dunkel und knusprig du ihn möchtest.

Während der Backzeit bereiten wir noch unser Wildkräuteröl zu.
Wie gesagt, auch Petersilie, Minze, Salbei, Oregano etc, sind erlaubt. Ich habe Giersch, Gundermann und Vogelmiere verwendet.
Du brauchst etwa 2 Handvoll Kräuter, diese gibst du mit 150 ml Olivenöl in einen Blitzhacker, füge etwas Salz dazu und püriere alles zu einem feinen, grünen Würzöl.

Nimm den fertigen Zwiebelkuchen aus dem Ofen, lasse ihn etwa 10 Minuten abkühlen, hebe ihn mit dem Backpapier auf ein großes Holzbrett, beträufle ihn mit dem herrlich grünen Öl und stelle alles auf den Tisch, so kann sich jeder abschneiden soviel er mag.

Heute regnet es, daher wird nix mit Kräuterjagd und Nase am Boden. Ich setze mich also nun mit dem letzten Stück Zwiebelkuchen vor den Computer und lerne ein wenig, und dabei werde ich von einer schönen Blumen – und Kräuterwiese träumen … hex hex!

Viel Spaß beim Nachbacken!

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