Anbauen, ernten, glücklich sein … eigenes Gemüse und Kräuter

Vor 23 Jahren sind mein Mann und ich mit unseren zwei Kindern aufs Land geflüchtet. Wir haben das Nachbarhaus meiner Eltern bezogen und so sind meine Kinder neben den Großeltern aufgewachsen, es war eine sehr schöne Zeit.
Von meiner Mama habe ich alles über den Gemüseanbau gelernt, sie ist eine erfahrene Gärtnerin und hat ihr Wissen wiederum von ihrer Mutter und Urgroßmutter. Unsere Leidenschaft, die Erde umzugraben und essbares anzubauen, besteht nun also in der 4. Generation.


Jedes Jahr schimpfe ich über die viele, teils schwere Arbeit, die damit verbunden ist, und frage mich, warum ich nicht in der Sonne liege und Aperol schlürfe … aber beides fördert schließlich nur die Faltenbildung.

Also greife ich jedes Jahr wieder zum Spaten und grabe, säe und jäte mich durch den Sommer. Der Lauf des Jahres wäre für mich unvorstellbar ohne meine Gartenrituale!

Mein Garten 2018

Das Gartenjahr beginnt eigentlich immer schon im Spätherbst davor, denn je gepflegter ich meine Beete in den Winter entlasse, desto weniger Arbeit habe ich im Frühjahr.
Ich bin ja ein großer Liebhaber von Wildkräutern, und kein Freund von übergepflegtem Rasen, in dem kein Blümchen mehr keimt. Bei uns am Grund wachsen Brennnesseln, Gundelrebe, Löwenzahn, Taubnesseln, Vogelmiere, Spitzwegerich, Sauerampfer, Günsel und noch so einiges.
Aber aus meinem Gemüsegarten müssen sie dennoch weichen, denn meist sind die Wildpflanzen stärker als die kultivierten, und so hätte ich sonst wohl bald kein Gemüse mehr.
Umstechen tue ich schon seit etlichen Jahren nicht mer, nur mehr sanft mit einem Eisenrechen lockern. Ich habe viel darüber gelesen, und festgestellt, dass naturnahe Gärtner nicht viel davon halten, mit einem brutalen Spaten tief ins Erdreich einzustechen, Schollen aufzubrechen, Regenwürmer zu durchtrennen und das Ökosystem Boden zu stören.
Seit ich die Erde in Ruhe lasse, keimt viel weniger Unkraut, die Regenwürmer bekommen schon Platzprobleme, und ich spare mir die unnötige, schwere Arbeit.
Nur wenn man einen neuen Bereich urbar machen möchte, ist es natürlich unumgänglich.

Meine ersten Arbeiten im März sind das Anlegen von Beeten. Ich habe mir angewöhnt, Rollrabatten als Gartenbretter zu verwenden. Sie sehen schön aus, passen sich an Bodenunebenheiten an, halten einige Jahre, wenn man sie im Winter verräumt, und sind nicht teuer.

Erster Erntesegen folgt je nach Wetter im Mai: diverse Salatsorten, Rucola, Schnittlauch, Liebstöckel, Radieschen, Mangold, Kohlrüben, Berge von Minze und Zitronenmelisse, Koriander, Rhabarber, Dill.

Sobald ein Beet abgeerntet ist, wird nach gesetzt oder gesäht. Im Juni folgen das erste Kraut, Fenchelknollen, Brokkoli, erste Zucchini, Puffbohnen, Kochsalat und Erbsen.
Im Sommer komme ich dann mit dem Kochen nicht mehr nach, zum Glück habe ich zwei Gemüsebegeisterte Kinder, die den Erntesegen mit uns teilen.
Da ernten wir Tomaten, Paprika, Kraut, Bohnschoten, Stangensellerie, rote Rüben, Frühkartoffeln, die mediterranen Kräuter sind in Bestform, Rucola wuchert, die Zucchini und die Jausenzwiebeln mutieren zu Monstern, und ich würde am liebsten gar nichts ernten, weil der Gemüsegarten sooo schön aussieht!

In den Herbst hinein reifen dann meine geliebten Chilis, die Paprika werden rot, es gibt Grünkohl, Wirsing, Spätkraut, Herbstsalate, riesige rote Rüben, Bohnen, Kürbisse (Butternuss und Hokkaido bevorzugt), die Koriandersamen sind reif, ebenso die Zwiebel, Lauch … bei meiner Mama gibt es Quitten und Ringlotten, und die letzten Tomaten im Gewächshaus.
In den Spätherbst hinein beglücken uns noch Knollensellerie und Kohlsprossen, und der Grünkohl, der darf über den Winter im Beet bleiben, und im nächsten Jahr blühen.

Es ist ein wunderbarer Kreislauf aus säen, pflanzen, gießen, jäten, mulchen, ernten, aufarbeiten, köstliche Gerichte zubereiten, aber auch ein Kampf gegen Schädlinge, Angst vor Unwettern und Hagel, dicke Tränen über Tomatenfäule, und manchmal wächst einem die Arbeit über den Kopf, denn der Gemüsegarten läuft ja neben allem Anderen!

Fischlaibchen mit Tomaten Nektarinen Salat

Der Herbst ist natürlich auch dazu da, die Vorräte aufzufüllen. Da brodelt und duftet es in meiner Küche, der Dörrapparat läuft pausenlos, Kräuterduft und Chilischwaden ziehen durch das Haus, und ich bin im Stress.
In den Wintermonaten bin ich dankbar für all die Sugos, Pasten, Saucen, Pestos, Kräutersalze, Trockengemüse, Suppenwürze, Chutneys, Würzöle und vieles mehr, was meine Küche bereichert und uns über die Zeit rettet, wo mein geliebter Gemüsegarten ein großer, brauner Fleck vor meinem Fenster ist. Bis alles wieder von Vorne beginnt.