Der Schock nach unserer Hochwasserkatatrophe ist abgeklungen, der schlimmste Schmutz beseitigt, ich habe wieder eine Waschmaschine!! und mein Vorratskeller ist jetzt viel schöner als zuvor. Ja, es hatte auch positive Auswirkungen. Und wir haben ausgemistet, und zwar gründlich. Sogar das letzte Babyflascherl, das ich bis jetzt aufgehoben hatte, fiel der Säuberung zum Opfer, irgendwann muss man einfach loslassen, oder?

Die täglichen Abläufe normalisieren sich wieder, und – ach ja – ich habe ja einen Blog! Und meine Kolumne in KOCHEN UND KÜCHE! Und da gibts im Mai wieder einen Beitrag von mir, und zwar über den
Waldmeister!

Waldmeister

Blühender Waldmeister

Waldmeister

Waldmeister vor der Blüte

Auch wenn ich den Großteil meiner letzten Wochen im Keller verbracht habe, auch meinen Urlaub (mal was anderes …), zum Kräutersammeln musste Zeit sein. Und ein Kräutlein stelle ich Dir heute vor.

Der Waldmeister war also der Star meines letzten Artikels für die Kochzeitschrift KOCHEN UND KÜCHE.
Es ist ein wunderhübsches Kraut mit einzigartigem Aroma, aus dem Sirup, den ich jedes Jahr mache, kannst Du herrliche Desserts und Getränke zaubern, und man findet ihn zur Zeit in fast allen Wäldern. (z.B. am Buchkogel bei Wildon und im südsteirischen Weinland).
Mach Dich auf die Suche, verbringe einen mystischen Tag im Wald, träume Dich ins Land von Elfen und Kobolden, und genieße daheim den typischen Duft von Waldmeisterzweigen.
Hier nun wissenswertes und Verarbeitungstipps zum Waldmeister, Du findest sie auch hier:

https://www.kochenundkueche.com/news/waldmeister


Waldmeister in der Küche
Geerntet wird der Waldmeister hauptsächlich im April und Mai, vor der Blüte, danach wird er etwas bitterer im Geschmack, kann aber immer noch verwendet werden. Man pflückt die ganze Pflanze, dabei sollte man den Stiel vorsichtig über dem Waldboden mit dem Daumennagel abknicken, um die Wurzel nicht auszureissen.
Wichtig: Das Cumarin, welches ja für den unverwechselbaren Duft des Kräutleins verantwortlich ist, entwickelt sein Aroma erst, wenn die Pflanze leicht zu trocknen beginnt, man bindet den Waldmeister also zu kleinen Sträußen zusammen und hängt sie an einem luftigen Ort für ein paar Stunden auf, bis sie welk geworden sind. Will man die Zweige für den Winter konservieren, lässt man sie ganz trocken werden und hebt sie lichtgeschützt und luftdicht verpackt auf, so halten sie bis zu einem Jahr.

Waldmeister

Waldmeistersträußchen hängen zum Trocknen an der Luft

Achtung beim Trocknen: verfärben sich die Zweige schwarz, hat das Cumarin zu gären begonnen und das Kraut darf nicht mehr verwendet werden (giftig). Am besten im Freien an einem trockenen, sonnigen Tag aufhängen!
Verwendet wird der Waldmeister unter Anderem für die berühmte Maibowle, welche schon den Germanen im 9. Jhd. bekannt war, und man kann leckeren Waldmeistersirup herstellen, der sich lange hält und zur Aromatisierung für viele Süßspeisen dient.

Getrockneter Waldmeister ist zudem die beste Waffe gegen Kleidermotten! Einfach ein paar Zweige in den Schrank hängen, oder mit Lavendel und Salbei mischen und hübsche selbstgenähte Duftkissen damit befüllen!

Waldmeistersirup
mit Ingwer und Zitronengras

Zutaten, für ca. 700 ml Sirup

etwa 20 Zweiglein frischen Waldmeister
250 g Kristallzucker
500 ml Wasser
1 Stiel Zitronengras
1 Stück Ingwer, etwa 2/2 cm
Saft 1/2 Orange, etwa 70 ml

Zubereitung (20 Minuten ohne Stehzeiten)

Den Waldmeister zu 3 kleinen Büscheln zusammenbinden, an einem luftigen Ort aufhängen und am besten über Nacht antrocknen lassen. Erst in diesem Stadium entfaltet er sein typisches Aroma.

Zucker und Wasser in einem Topf verrühren.  Zitronengrasstiele mit einem Fleischhammer etwas quetschen, Ingwer schälen und  in 4 Stücke teilen, die halbe Orange auspressen und alles in das Zuckerwasser geben. Aufkochen und etwa 5 Minuten  auf kleiner Hitze köcheln lassen.

Die angetrockneten Waldmeistersträußchen mit den Köpfen nach unten in die Flüssigkeit hängen, dazu am besten einen Kochlöffel über den Topf legen und den Bindfaden der Büschel daran befestigen. Die Stiele enthalten Bitterstoffe und sollten nicht mit eintauchen!

https://www.kochenundkueche.com/news/waldmeister

Die Waldmeisterbündel hängen zum Durchziehen im Sirup

Den Sirup mit den Zweigen nun einige Stunden ziehen lassen, je nach gewünschter Intensität etwa drei bis sechs Stunden, eventuell dazwischen kosten.
Den Waldmeister vor dem Entfernen gut ausdrücken und den Sirup durch ein feines Sieb oder Durchseihtuch gießen.
Nochmal kurz aufkochen und heiß in sterile Flaschen füllen. Der Sirup hält sich kühl und dunkel gelagert etwa 6 Monate.

Waldmeister

Waldmeistersirup schmeckt herrlich als Aperitif mit Sekt aufgegossen, gibt der weißen Mischung eine besondere Note, und eignet sich zum aromatisieren von Dessertcremes, Eis, Obstsalat oder Kuchenteig.

Für das nun folgende erfrischende Waldmeister-Sorbet ist es Voraussetzung, dass Du bereits einen Waldmeistersirup hergestellt hast, den benötigen wir hier nämlich! Das Sorbet funktioniert als Grundrezept aber natürlich auch mit Lavendelsirup, Rosensirup oder Erdbeersirup, die findest Du alle auf meinem Blog! Nein, ich füge keine Links ein, so kannst Du ein bißchen in meinen Rezepten herumsuchen!

Waldmeister-Sorbet mit Champagner
und zarten Keksen

Zutaten für ca. 500 ml Sorbet

200 ml Waldmeistersirup
Saft von ½ Limette + Schalenabrieb
250 ml Weißwein
1 – 2 EL Agavendicksaft (je nach erwünschter Süße)
1 Eiweiß
1 EL Staubzucker

Zubereitung (45 Minuten inkl. Gefrieren in der Eismaschine)

Waldmeistersirup, Limettensaft und Abrieb der Schale, Agavendicksaft  sowie Weißwein mischen, in den Behälter einer Eismaschine füllen und unter Rühren gefrieren lassen.
Nach etwa einer halben Stunde ist das Sorbet cremig und milchig weiß.
Nun das Eiweiß mit dem Staubzucker zu steifem Schnee schlagen und löffelweise zur Masse in die Eismaschine füllen.
Noch 5 Minuten weiterrühren lassen, bis das Eiweiß gut untergezogen ist, dann in eine sterilisierte Gefrierdose geben und tiefkühlen.
Nach 3 Stunden ist das Sorbet fest und servierfertig.
Zum Anrichten je eine Kugel Sorbet in eine Sektschale legen, mit Champagner aufgießen und nach Wunsch mit Waldmeisterblüten (oder anderen essbaren Blüten) dekorieren.
Das Sorbet sollte innerhalb von 3 Tagen verwendet  werden.
Alternativ die Zubereitung ohne Eismaschine:
Die Flüssigkeit  in eine flache Auflaufform füllen. Die Form in den Gefrierschrank stellen, nach ca. einer Stunde – die Masse sollte gut angefroren, aber noch nicht ganz fest sein – alles in ein hohes Mixgefäß füllen und mit dem Pürierstab zerkleinern.
Wieder in die Auflaufform geben und erneut gefrieren. Dieser Vorgang sollte 3 Mal im Abstand von je einer Stunde wiederholt werden, nur so wird das Sorbet  schön fein und zart schmelzend, ansonsten bilden sich große Eisklumpen, die sehr unangenehm im Mund sind.
Zuletzt den Eischnee unterziehen und erneut für einige Stunden gefrieren. (ev. auch hier nochmal durchrühren).

Waldmeister

Zarte Vanille – Zungen

Zutaten für ca. 12 Stück
30 g zimmerwarme Butter
45 g Staubzucker
10 g echter Vanillezucker
ein Eiweiß
35 g glattes Mehl

Zubereitung (20  Min. ohne Kühlzeit)
Butter und Zucker cremig rühren.
Eiweiß leicht verschlagen und mit dem Mehl zur Buttermischung geben, vermixen.
Masse in einen Spritzbeutel füllen und ca. 6 cm lange, 2 cm breite Streifen auf ein mit Backpapier belegtes Blech spritzen, je 4 cm Abstand lassen!
30 Minuten in den Kühlschrank stellen, Backofen vorheizen auf 180 ° C.
Zungen etwa 6 – 7 Minuten backen, sie rinnen stark auseinander und werden flach.  Die Ränder sollen nur zart gebräunt sein!
Am Blech abkühlen lassen und zum Sorbet servieren.

Waldmeister

Auch die berühmte Maibowle kannst Du mit dem Sirup ganz einfach herstellen: mische einen Liter guten Weisswein mit 200 ml Waldmeistersirup, gib einige Naturzitronenscheiben hinzu und – auch sehr lecker – einige reife Erdbeeren, und lasse alles im Kühlschrank gut durchziehen. Du kannst natürlich auch noch zusätzlich einige Zweige angetrockneten Waldmeister ins Gefäß hängen!
Gieße mit Sekt auf, garniere mit ein paar frischen Waldmeisterzweigen und serviere es Deinen staunenden Gästen. Zum Wohl!

 

 

 

 

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