Kennst Du das auch? Es gibt Phasen im Leben, da läuft irgendwie alles unrund, nichts geht so, wie man es gerne hätte, kurz gesagt, es ist einfach der Wurm drin. Mein „Wurm“ war heuer auf jeden Fall unser Hochwasser, das hat einfach alles aus der Bahn geworfen. Ich komme seither einfach nie mit meiner Arbeit nach, kaum hat man in einer Ecke fertig ausgemalen, bröselt es in der Anderen wieder runter und man fängt von vorne an. Das gruftähnliche Klima im Keller fördert so tolle Sachen wie Schimmelbildung und Massenversammlungen von Kellerasseln, aber ich gebe den Kampf nicht auf. Und ich freue mich auf den Winter, zum ersten Mal seit 50 Jahren!
Wenn es mir drinnen zu viel wird, gehe ich einfach in den Garten, da erwartet mich saftig grünes Unkraut (es gedeiht himmlisch auf dem schlammigen Boden!) und  – ach wie schön, ich brauche heuer keine Beeren ernten, die hat alle der Hagel zerstört. Die Natur hat also dafür gesorgt, dass eine der zeitraubenden Arbeiten wegfällt. Aber, undankbar wie der Mensch ist, ich bin auch damit nicht zufrieden.
Zum Glück hatten wir letztes Jahr eine Beerenernte wie im Bilderbuch, besonders der Jostabeeren-Strauch war voll wie noch nie, und so habe ich in weiser Voraussicht vergangenen Sommer schon vorgearbeitet und etliche Rezepte mit Jostabeeren ausprobiert, aufgeschrieben und fotografiert, und das Ergebnis zeige ich Dir heute auf meinem Blog.

Jostabeeren
Eigentlich hätte einiges davon in die Juli-Ausgabe von „KOCHEN UND KÜCHE“ kommen sollen, aber das hat dann keinen Platz mehr gehabt, und so bekommst Du meine Kreationen eben direkt auf meiner Seite.

Ich beglücke Dich mit einem saftigen Jostabeeren-Schokoladekuchen, einem leckeren Jostabeeren – Gelee mit Thymian und einem Jostabeerenshake, begleitet von knusprigen Cookies mit getrockneten Jostabeeren. (ich wette niemand im Internet hat jemals einen Satz geschrieben, in dem so oft das Wort „Jostabeeren“ untergekommen ist …).

Anmerkung: All diese Rezepte funktionieren auch mit schwarzen Johannisbeeren, werden dann allerdings etwas herber im Geschmack.
Also, ich hoffe Du hast ein bißchen Zeit übrig, wir haben genug zu tun!

Was ist das nun eigentlich für eine Superbeere, und wo kommt sie her?

Jostabeeren

Nimmt man die Silben „Jo“ von der Johannisbeere und „Sta“ von der Stachelbeere, so bildet sich daraus das Wort „Josta“. Ob die Idee zur Kreuzung dieser beiden Früchte bei einem Wortspiel entstanden ist? Nein, wohl eher aufgrund des Bestrebens, die Vorzüge der beiden Früchte unter einen Hut (oder Zweig) zu bekommen und die Nachteile wegzuzüchten.
Das Ergebnis der Kreuzung beglückt uns mit einer aromatisch – pikanten saftreichen Frucht, die jedoch nicht so herb ist wie die schwarze Johannisbeere, zudem haben die Beeren viel weniger und kleinere Kernchen und der Strauch keine Stacheln, die einen bei der Ernte quälen!
Erste Versuche, aus der schwarzen Johannisbeere und der Stachelbeere eine neue Frucht zu züchten, gab es bereits im 19. Jhd., zu Beginn erhielt man jedoch lediglich eine dornenlose Stachelbeere.
Um 1920 waren die Botaniker erfolgreich, und die Jostabeere war geboren.
Unser Jostabeerenstrauch steht nun seit etwa 25 Jahren im Garten meiner Mama, er ist sehr groß und braucht viel Platz, und in einem guten Jahr trägt er unglaublich viele Früchte, die ich sooo liebe (leider auch die Amseln … ).

Jostabeeren
Jostabeeren in der Küche
Dank ihres hohen Pektingehaltes sind Jostabeeren ein hervorragend geeignetes Obst für Marmeladen und Gelees, die auch sehr aromatisch schmecken.
Sie lassen sich sehr gut entsaften, selbst angesetzter Jostalikör schmeckt wie Cassis und ergibt – mit Sekt aufgegossen – einen herrlichen Kir Royal.
Jostabeerenmark harmoniert toll mit Vanilleeis oder cremigem Naturjoghurt und ergibt, mit geschmolzener Kuvertüre gemischt, eine traumhafte Dessertsauce.
Man kann mit den Beeren Kuchen backen, sie dörren sowie problemlos einfrieren.
Und den Kuchen, den backen wir nun als Einstieg!

Für einige Rezepte benötigst Du frisches Jostabeerenmark , dieses wird wie folgt zubereitet:
1000 g Jostabeeren in einem großen Topf mit 4 EL Wasser sehr langsam erhitzen und köcheln, bis alle Beeren aufgeplatzt sind. Etwas abkühlen lassen und durch eine Flotte Lotte oder ein Passiersieb passieren.
Die Menge ergibt etwa 600 g Fruchtmark.
EinenTeil brauchst Du für den Kuchen , den Rest kannst Du mit etwas Zucker verrühren und in Portionen einfrieren.

Jostabeeren

Jostabeerenmark kann man in vielen Rezepten verwenden

Schokoladenkuchen mit Jostabeerenmark

Jostabeeren

Schokoladenkuchen mit Jostabeerenmark

Dieser Kuchen ist, wenn Du die 2 Eier durch eine Banane ersetzt (siehe Rezept), vegan! Für die Glasur bräuchtest Du jedoch einen Ersatz für das Eiweiß.

Zutaten für den Kuchen, die Menge ergibt eine Kastenform
225 g Mehl

1 TL Backpulver
3 EL echter Kakao, ungezuckert
120 g Rohrzucker
1 EL echter Vanillezucker
2 EL dunkles Gerstenmalz flüssig (Reformhaus)
2 EL Agavendicksaft (Supermarkt, Reformhaus)
2 große Eier, verschlagen, oder eine große, reife zerdrückte Banane (vegan)
60 ml Sojamilch
60 ml Pflanzenöl (Sonnenblumenöl etc.)
200 g Jostabeerenmark (siehe Rezept oben)

Glasur:
150 g Staubzucker

ca.35 g Jostabeerenmark
2 EL Zitronensaft
Eiweiß (so viel, dass die Masse fluffig und streichfähig wird, aber nicht zu flüssig!), ca. 3 EL

Zubereitung (20 Min. ohne Zubereitung des Fruchtmarks)
Eine Kastenform mit Backpapier auslegen oder gut befetten und bemehlen. Backofen vorheizen auf 160 ° C Heißluft.
Mehl, Backpulver und Kakao in eine Schüssel geben und mit einem Schneebesen gut durcharbeiten und auflockern, sodass keine Kakaoklümpchen mehr zu sehen sind.
Zucker zugeben und einarbeiten. In der Mitte eine Mulde machen, in diese kommen Gerstenmalz, Agavendicksaft, Eier (oder Banane), Milch, Öl und Jostabeerenmark.
Mit einer Teigspachtel unterheben, bis alles vermischt ist, in die Kastenform füllen und ca. 45 – 50 Minuten backen.
Für die Glasur Staubzucker, Beerenmark und Zitronensaft mit dem Mixer verrühren, mit Eiweiß luftig aufschlagen. Die Masse soll streichfähig sein und wie eine weiche rosa Wolke aussehen. Mit einer Palette auf dem abgekühlten Kuchen verstreichen, mit Beeren garnieren.

Jostabeeren

Als Nächstes machen wir uns einen erfrischenden, cremigen Shake, Du kannst hier auch gleich das Jostabeerenmark verwenden, das Du nicht für den Kuchen benötigst, dann brauchst Du nicht so viel einfrieren. Damit die Sache nicht zu gesund wird (also wirklich …), serviere ich knusprige Cookies dazu, die ich mit selbstgedörrten Jostabeeren aufpeppe. Solltest Du nicht in die Kategorie leicht schrulliger Menschen fallen, die ihre Jostabeeren selbst dörren, so verwende gerne auch Cranberries!

Jostabeeren-Wassermelonenshake mit Karamellcookies

Jostabeeren

Zutaten Shake, für 4 Gläser
400 g Wassermelone, entkernt, gewürfelt

200 g Jostabeerenmark (Herstellung laut Rezept beim Schokoladenkuchen)
200 ml Kokosmilch, ungesüßt
3 EL Honig
100 ml Wasser
eine Handvoll Eiswürfel

Zubereitung
Alle Zutaten in einen Blender geben und sehr schaumig pürieren. Bei Bedarf noch etwas nachsüßen.
Anmerkung: solltest Du einen Hochleistungsblender besitzen, so kannst Du das Rezept natürlich auch mit frischen Beeren statt dem Mark zubereiten. In einem schwächeren Blender könnten einige Körnchen ganz bleiben, aber das fördert die Verdauung. Ich habe einfach festgestellt, dass der Shake mit dem passierten Mark noch cremiger wird!

Zutaten Karamellcookies, für ca.20 Stück, je nach Größe
260 Gramm Mehl
1/2 TL Natron
1 TL Backpulver
170 Gramm Butter, zimmerwarm
80 Gramm Staubzucker
120 Gramm Rohrzucker (Demerara)
1 großes Ei
70  Gramm Schokotropfen oder gehackte Schokolade
70 g Karamelltröpfchen (z.B. Birkmann)

50 Gramm getrocknete Jostabeeren oder schwarze Ribisel (auch Cranberries gehen gut)

Zubereitung (25 Minuten ohne Kühlzeit)
Mehl in eine Schüssel sieben und mit Natron und Backpulver mischen.
Butter und Zucker mit dem Mixer schaumig rühren, das Ei hinzufügen und gut einschlagen.
Nun die Mehlmischung dazu geben und mit einer Teigspachtel unterziehen, bis alles gut vermischt ist.
Zuletzt Schokotropfen, Karamelltropfen und getrocknete Früchte unterheben.
Die Masse auf eine bemehlte Unterlage geben und zu einer „Wurst“ von etwa 6 cm Durchmesser formen. Diese in Frischhaltefolie eindrehen und für 2 Stunden in den Kühlschrank legen.
Backofen auf 180° Heißluft vorheizen, 2 Backbleche mit Backpapier belegen.
Den Teig auswickeln, in 1 cm dicke Scheiben schneiden und diese mit etwas Abstand auf die Bleche verteilen.
Die Backzeit beträgt etwa 12 Minuten, die Cookies sollen am Rand knusprig und leicht gebräunt, im Inneren weich und saftig sein.

Jostabeeren

Jostabeerenshake mit Karamellcookies

Diese „Kühlschrank-Cookies“ kannst Du super vorbereiten, der Teigstrang kann eingewickelt bis zu 3 Tage im Kühlschrank bleiben! Du kannst Dir so jeden Tag ein paar frische Cookies backen! Herz was willst Du mehr?

So, und wenn Dir jetzt die Jostabeeren noch nicht bei den Ohren hinauskommen, dann gibts noch ein geniales Gelee mit frischem Thymian!

Jostabeerengelee mit frischem Thymian

Jostabeeren

Jostabeeren-Thymiangelee mit Ingwer und Vodka

Zutaten für 5 Gläser zu je 250 ml
Ca. 1200 g Jostabeeren

ein großer Zweig Thymian
3 EL frischer geriebener Ingwer
Saft einer halben Zitrone
250 ml Wasser
2 EL Vodka
500 g Gelierzucker 2:1
2 EL Zitronenthymian fein gehackt

Zubereitung (45 Minuten, ohne das Auskühlen)
Die Beeren, den Thymianzweig, Ingwer, Zitronensaft und Wasser in einem Topf aufkochen, zugedeckt langsam auf kleiner Flamme ziehen lassen, bis alle Beeren aufgeplatzt sind und ihren Saft abgegeben haben, das dauert etwa 30 Minuten. Immer wieder umrühren!
Abkühlen lassen, ein Sieb mit einem Durchseihtuch auslegen, über eine Schüssel hängen und die Beerenmasse hineingießen, Saft abtropfen lassen, die Masse zum Schluss leicht ausdrücken.
900 ml von dem Saft abmessen, in einen Topf füllen, Vodka und Gelierzucker unterrühren,  gehackten Thymian beifügen, aufkochen und 5 Minuten wallend kochen lassen. Sofort in sterile Marmeladegläschen füllen.

Das ausgepresste Fruchtfleisch kannst Du noch durch eine Flotte Lotte passieren und für Desserts verwenden.

Anmerkung: Beim 2:1 Gelierzucker kommen normaler Weise 2 Teile Fruchtmasse auf einen Teil Zucker. Ist die Fruchtmasse jedoch ein flüssiger Sirup, so sollte die Zuckermenge etwas erhöht werden. Deshalb verwenden wir hier 500 g Gelierzucker auf 900 ml Saft!

Und nun fülle einen Becher griechisches Naturjoghurt (natürlich das mit 10 %& Fett …) in ein schönes Dessertglas, gib einige Löffel von dem Gelee oben drauf, setze Dich in den Garten und genieße! Augen zu! Viel Spaß dabei!

Jostabeeren

 

 

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