Kategorie: Süß geht immer!

Beerenträume – Variationen von der Jostabeere

Kennst Du das auch? Es gibt Phasen im Leben, da läuft irgendwie alles unrund, nichts geht so, wie man es gerne hätte, kurz gesagt, es ist einfach der Wurm drin. Mein „Wurm“ war heuer auf jeden Fall unser Hochwasser, das hat einfach alles aus der Bahn geworfen. Ich komme seither einfach nie mit meiner Arbeit nach, kaum hat man in einer Ecke fertig ausgemalen, bröselt es in der Anderen wieder runter und man fängt von vorne an. Das gruftähnliche Klima im Keller fördert so tolle Sachen wie Schimmelbildung und Massenversammlungen von Kellerasseln, aber ich gebe den Kampf nicht auf. Und ich freue mich auf den Winter, zum ersten Mal seit 50 Jahren!
Wenn es mir drinnen zu viel wird, gehe ich einfach in den Garten, da erwartet mich saftig grünes Unkraut (es gedeiht himmlisch auf dem schlammigen Boden!) und  – ach wie schön, ich brauche heuer keine Beeren ernten, die hat alle der Hagel zerstört. Die Natur hat also dafür gesorgt, dass eine der zeitraubenden Arbeiten wegfällt. Aber, undankbar wie der Mensch ist, ich bin auch damit nicht zufrieden.
Zum Glück hatten wir letztes Jahr eine Beerenernte wie im Bilderbuch, besonders der Jostabeeren-Strauch war voll wie noch nie, und so habe ich in weiser Voraussicht vergangenen Sommer schon vorgearbeitet und etliche Rezepte mit Jostabeeren ausprobiert, aufgeschrieben und fotografiert, und das Ergebnis zeige ich Dir heute auf meinem Blog.

Jostabeeren
Eigentlich hätte einiges davon in die Juli-Ausgabe von „KOCHEN UND KÜCHE“ kommen sollen, aber das hat dann keinen Platz mehr gehabt, und so bekommst Du meine Kreationen eben direkt auf meiner Seite.

Ich beglücke Dich mit einem saftigen Jostabeeren-Schokoladekuchen, einem leckeren Jostabeeren – Gelee mit Thymian und einem Jostabeerenshake, begleitet von knusprigen Cookies mit getrockneten Jostabeeren. (ich wette niemand im Internet hat jemals einen Satz geschrieben, in dem so oft das Wort „Jostabeeren“ untergekommen ist …).

Anmerkung: All diese Rezepte funktionieren auch mit schwarzen Johannisbeeren, werden dann allerdings etwas herber im Geschmack.
Also, ich hoffe Du hast ein bißchen Zeit übrig, wir haben genug zu tun!

Was ist das nun eigentlich für eine Superbeere, und wo kommt sie her?

Jostabeeren

Nimmt man die Silben „Jo“ von der Johannisbeere und „Sta“ von der Stachelbeere, so bildet sich daraus das Wort „Josta“. Ob die Idee zur Kreuzung dieser beiden Früchte bei einem Wortspiel entstanden ist? Nein, wohl eher aufgrund des Bestrebens, die Vorzüge der beiden Früchte unter einen Hut (oder Zweig) zu bekommen und die Nachteile wegzuzüchten.
Das Ergebnis der Kreuzung beglückt uns mit einer aromatisch – pikanten saftreichen Frucht, die jedoch nicht so herb ist wie die schwarze Johannisbeere, zudem haben die Beeren viel weniger und kleinere Kernchen und der Strauch keine Stacheln, die einen bei der Ernte quälen!
Erste Versuche, aus der schwarzen Johannisbeere und der Stachelbeere eine neue Frucht zu züchten, gab es bereits im 19. Jhd., zu Beginn erhielt man jedoch lediglich eine dornenlose Stachelbeere.
Um 1920 waren die Botaniker erfolgreich, und die Jostabeere war geboren.
Unser Jostabeerenstrauch steht nun seit etwa 25 Jahren im Garten meiner Mama, er ist sehr groß und braucht viel Platz, und in einem guten Jahr trägt er unglaublich viele Früchte, die ich sooo liebe (leider auch die Amseln … ).

Jostabeeren
Jostabeeren in der Küche
Dank ihres hohen Pektingehaltes sind Jostabeeren ein hervorragend geeignetes Obst für Marmeladen und Gelees, die auch sehr aromatisch schmecken.
Sie lassen sich sehr gut entsaften, selbst angesetzter Jostalikör schmeckt wie Cassis und ergibt – mit Sekt aufgegossen – einen herrlichen Kir Royal.
Jostabeerenmark harmoniert toll mit Vanilleeis oder cremigem Naturjoghurt und ergibt, mit geschmolzener Kuvertüre gemischt, eine traumhafte Dessertsauce.
Man kann mit den Beeren Kuchen backen, sie dörren sowie problemlos einfrieren.
Und den Kuchen, den backen wir nun als Einstieg!

Für einige Rezepte benötigst Du frisches Jostabeerenmark , dieses wird wie folgt zubereitet:
1000 g Jostabeeren in einem großen Topf mit 4 EL Wasser sehr langsam erhitzen und köcheln, bis alle Beeren aufgeplatzt sind. Etwas abkühlen lassen und durch eine Flotte Lotte oder ein Passiersieb passieren.
Die Menge ergibt etwa 600 g Fruchtmark.
EinenTeil brauchst Du für den Kuchen , den Rest kannst Du mit etwas Zucker verrühren und in Portionen einfrieren.

Jostabeeren

Jostabeerenmark kann man in vielen Rezepten verwenden

Schokoladenkuchen mit Jostabeerenmark

Jostabeeren

Schokoladenkuchen mit Jostabeerenmark

Dieser Kuchen ist, wenn Du die 2 Eier durch eine Banane ersetzt (siehe Rezept), vegan! Für die Glasur bräuchtest Du jedoch einen Ersatz für das Eiweiß.

Zutaten für den Kuchen, die Menge ergibt eine Kastenform
225 g Mehl

1 TL Backpulver
3 EL echter Kakao, ungezuckert
120 g Rohrzucker
1 EL echter Vanillezucker
2 EL dunkles Gerstenmalz flüssig (Reformhaus)
2 EL Agavendicksaft (Supermarkt, Reformhaus)
2 große Eier, verschlagen, oder eine große, reife zerdrückte Banane (vegan)
60 ml Sojamilch
60 ml Pflanzenöl (Sonnenblumenöl etc.)
200 g Jostabeerenmark (siehe Rezept oben)

Glasur:
150 g Staubzucker

ca.35 g Jostabeerenmark
2 EL Zitronensaft
Eiweiß (so viel, dass die Masse fluffig und streichfähig wird, aber nicht zu flüssig!), ca. 3 EL

Zubereitung (20 Min. ohne Zubereitung des Fruchtmarks)
Eine Kastenform mit Backpapier auslegen oder gut befetten und bemehlen. Backofen vorheizen auf 160 ° C Heißluft.
Mehl, Backpulver und Kakao in eine Schüssel geben und mit einem Schneebesen gut durcharbeiten und auflockern, sodass keine Kakaoklümpchen mehr zu sehen sind.
Zucker zugeben und einarbeiten. In der Mitte eine Mulde machen, in diese kommen Gerstenmalz, Agavendicksaft, Eier (oder Banane), Milch, Öl und Jostabeerenmark.
Mit einer Teigspachtel unterheben, bis alles vermischt ist, in die Kastenform füllen und ca. 45 – 50 Minuten backen.
Für die Glasur Staubzucker, Beerenmark und Zitronensaft mit dem Mixer verrühren, mit Eiweiß luftig aufschlagen. Die Masse soll streichfähig sein und wie eine weiche rosa Wolke aussehen. Mit einer Palette auf dem abgekühlten Kuchen verstreichen, mit Beeren garnieren.

Jostabeeren

Als Nächstes machen wir uns einen erfrischenden, cremigen Shake, Du kannst hier auch gleich das Jostabeerenmark verwenden, das Du nicht für den Kuchen benötigst, dann brauchst Du nicht so viel einfrieren. Damit die Sache nicht zu gesund wird (also wirklich …), serviere ich knusprige Cookies dazu, die ich mit selbstgedörrten Jostabeeren aufpeppe. Solltest Du nicht in die Kategorie leicht schrulliger Menschen fallen, die ihre Jostabeeren selbst dörren, so verwende gerne auch Cranberries!

Jostabeeren-Wassermelonenshake mit Karamellcookies

Jostabeeren

Zutaten Shake, für 4 Gläser
400 g Wassermelone, entkernt, gewürfelt

200 g Jostabeerenmark (Herstellung laut Rezept beim Schokoladenkuchen)
200 ml Kokosmilch, ungesüßt
3 EL Honig
100 ml Wasser
eine Handvoll Eiswürfel

Zubereitung
Alle Zutaten in einen Blender geben und sehr schaumig pürieren. Bei Bedarf noch etwas nachsüßen.
Anmerkung: solltest Du einen Hochleistungsblender besitzen, so kannst Du das Rezept natürlich auch mit frischen Beeren statt dem Mark zubereiten. In einem schwächeren Blender könnten einige Körnchen ganz bleiben, aber das fördert die Verdauung. Ich habe einfach festgestellt, dass der Shake mit dem passierten Mark noch cremiger wird!

Zutaten Karamellcookies, für ca.20 Stück, je nach Größe
260 Gramm Mehl
1/2 TL Natron
1 TL Backpulver
170 Gramm Butter, zimmerwarm
80 Gramm Staubzucker
120 Gramm Rohrzucker (Demerara)
1 großes Ei
70  Gramm Schokotropfen oder gehackte Schokolade
70 g Karamelltröpfchen (z.B. Birkmann)

50 Gramm getrocknete Jostabeeren oder schwarze Ribisel (auch Cranberries gehen gut)

Zubereitung (25 Minuten ohne Kühlzeit)
Mehl in eine Schüssel sieben und mit Natron und Backpulver mischen.
Butter und Zucker mit dem Mixer schaumig rühren, das Ei hinzufügen und gut einschlagen.
Nun die Mehlmischung dazu geben und mit einer Teigspachtel unterziehen, bis alles gut vermischt ist.
Zuletzt Schokotropfen, Karamelltropfen und getrocknete Früchte unterheben.
Die Masse auf eine bemehlte Unterlage geben und zu einer „Wurst“ von etwa 6 cm Durchmesser formen. Diese in Frischhaltefolie eindrehen und für 2 Stunden in den Kühlschrank legen.
Backofen auf 180° Heißluft vorheizen, 2 Backbleche mit Backpapier belegen.
Den Teig auswickeln, in 1 cm dicke Scheiben schneiden und diese mit etwas Abstand auf die Bleche verteilen.
Die Backzeit beträgt etwa 12 Minuten, die Cookies sollen am Rand knusprig und leicht gebräunt, im Inneren weich und saftig sein.

Jostabeeren

Jostabeerenshake mit Karamellcookies

Diese „Kühlschrank-Cookies“ kannst Du super vorbereiten, der Teigstrang kann eingewickelt bis zu 3 Tage im Kühlschrank bleiben! Du kannst Dir so jeden Tag ein paar frische Cookies backen! Herz was willst Du mehr?

So, und wenn Dir jetzt die Jostabeeren noch nicht bei den Ohren hinauskommen, dann gibts noch ein geniales Gelee mit frischem Thymian!

Jostabeerengelee mit frischem Thymian

Jostabeeren

Jostabeeren-Thymiangelee mit Ingwer und Vodka

Zutaten für 5 Gläser zu je 250 ml
Ca. 1200 g Jostabeeren

ein großer Zweig Thymian
3 EL frischer geriebener Ingwer
Saft einer halben Zitrone
250 ml Wasser
2 EL Vodka
500 g Gelierzucker 2:1
2 EL Zitronenthymian fein gehackt

Zubereitung (45 Minuten, ohne das Auskühlen)
Die Beeren, den Thymianzweig, Ingwer, Zitronensaft und Wasser in einem Topf aufkochen, zugedeckt langsam auf kleiner Flamme ziehen lassen, bis alle Beeren aufgeplatzt sind und ihren Saft abgegeben haben, das dauert etwa 30 Minuten. Immer wieder umrühren!
Abkühlen lassen, ein Sieb mit einem Durchseihtuch auslegen, über eine Schüssel hängen und die Beerenmasse hineingießen, Saft abtropfen lassen, die Masse zum Schluss leicht ausdrücken.
900 ml von dem Saft abmessen, in einen Topf füllen, Vodka und Gelierzucker unterrühren,  gehackten Thymian beifügen, aufkochen und 5 Minuten wallend kochen lassen. Sofort in sterile Marmeladegläschen füllen.

Das ausgepresste Fruchtfleisch kannst Du noch durch eine Flotte Lotte passieren und für Desserts verwenden.

Anmerkung: Beim 2:1 Gelierzucker kommen normaler Weise 2 Teile Fruchtmasse auf einen Teil Zucker. Ist die Fruchtmasse jedoch ein flüssiger Sirup, so sollte die Zuckermenge etwas erhöht werden. Deshalb verwenden wir hier 500 g Gelierzucker auf 900 ml Saft!

Und nun fülle einen Becher griechisches Naturjoghurt (natürlich das mit 10 %& Fett …) in ein schönes Dessertglas, gib einige Löffel von dem Gelee oben drauf, setze Dich in den Garten und genieße! Augen zu! Viel Spaß dabei!

Jostabeeren

 

 

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Rhabarber-Milchreis-Terrine

Freust Du Dich im Frühling auch schon immer auf die ersten Obstkuchen? Erdbeeren, Himbeeren, Pfirsiche … aber ganz besonders freue ich mich jedes Jahr auf den ersten Kuchen mit Gemüse! Mit einem ganz speziellen Gemüse: dem Rhabarber.
Letztes Jahr hatte ich ja schon einige Rezepte zum Schwerpunkt Rhabarberzeit gepostet  ( Link: Rhabarberrezepte) und dabei angemerkt, dass dieses meist süß verwendete Gewächs eigentlich botanisch ein Gemüse ist. Und was für ein Gemüse, leider einzigartig, denn ich wüsste sonst keines, das man auf süßem Teig verteilen, zuckern und mit Baiser überbacken kann. Vielleicht am ehesten noch Kürbis, aber einem Rhabarbercrumble macht der auch keine Konkurrenz!
In Südfrankreich bäckt man sogar einen Kuchen mit Mangold, die Stiele würden ja ähnlich aussehen wie die vom Rhabarber, aber der Geschmack, nein, da bleiben wir bei letzterem.
Und natürlich habe ich auch in diesem Frühjahr wieder ein Rhabarberrezept für Dich, diesmal kein Kuchen sondern ein Dessert: eine unglaublich gute Kombination aus cremigem Milchreis und säuerlichem Rhabarbergelee, in zwei Schichten vereint zu einer tollen Frühlingsterrine. Bestens geeignet für die nächste Taufe, Firmung, Hochzeit, oder einfach für Dich alleine, gönn Dir Dein ganz persönliches Schlaraffenland und iss Dich durch meine Terrine!

Rhabarberterrine Rhabarberterrine

Also, auf zum Rezept, die Menge reicht für ca. 8 mal Schlaraffenland!
Du brauchst für die Zubereitung etwa eine dreiviertel Stunde, natürlich ohne Kochzeit und ohne Kühlschrankruhe. Die Terrine kann auch toll am Vortag fertiggestellt werden.
Anmerkung: ich habe Dir – glaube ich – letztes Jahr schon gesagt, dass ich meinen Rhabarber nicht schäle. Wenn Du Bio-Rhabarber verwendest oder er, so wie meiner, aus dem eigenen Garten kommt, ist das auch nicht notwendig. Durch das Schälen verliert er seine hübsche rote Farbe, und viele Vitamine, die ja auch immer besonders in der Schale einer Frucht/ eines Gemüses sitzen!

Für die Rhabarberschicht

300 g kleingeschnittener  Rhabarber
250 ml Wasser
Saft einer halben Zitrone
60 g Zucker
20 g Vanillezucker
3 – 4 große Erdbeeren
7 Blatt Gelatine

Für die Milchreisschicht

100 g Milchreis oder  Rundkornreis
¾ l Mandelmilch
20 g Butter
½ TL Zimt
50 g Zucker
4 Blatt Gelatine
150 ml Schlagrahm
2 EL Staubzucker

Eine Kastenform einölen (damit die Folie nicht klebt), mit Frischhaltefolie auslegen.
Rhabarber mit Wasser, Zitronensaft und Zucker in einen Topf geben, aufkochen und 5 Minuten köcheln lassen.
Die Erdbeeren zugeben und alles mit dem Pürierstab nicht ganz fein pürieren.
Gelatineblätter in kaltem Wasser erweichen und nacheinander in die noch heiße Rhabarbermischung einrühren.
Die Masse in die Kastenform füllen und im Kühlschrank gelieren lassen ( ca. 2 Stunden).

Den Reis mit der Milch, Butter, Zimt und Zucker aufkochen und ca. 45 Minuten auf kleiner Flamme mit geschlossenem Deckel weichdünsten, immer wieder umrühren.
Gelatineblätter in kaltem Wasser erweichen und unter den heißen Reis mischen, abkühlen lassen.
Schlagrahm mit Staubzucker steif schlagen, den Reis unterziehen und vorsichtig auf der gelierten Rhabarberschicht verteilen.
Einige Stunden im Kühlschrank fest werden lassen, auf eine Platte stürzen, Folie abziehen und mit einem scharfen  Messer Scheiben abschneiden, mit Erdbeeren dekoriert anrichten.

Rhabarberterrine Rhabarberterrine Rhabarberterrine

Du kannst die Terrine natürlich auch in kleinen Portionsformen gelieren lassen, das ist zwar ein wenig mehr Arbeit, weil Du jede Form auch mit der Folie auskleiden solltest, aber es sieht sehr hübsch aus!

Ich wünsche Dir eine schöne Rhabarberzeit!

Dieses Rezept von mir ist übrigens auch in der Juni-Ausgabe von KOCHEN UND KÜCHE erschienen, ausserdem erwartet Dich in der Zeitschrift mein Artikel zum Thema HOLUNDERBLÜTEN, von dem es bald eine Kostprobe auf meinem Blog gibt!

 

 

 

 

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Waldmeister – Tipps und Rezepte

Der Schock nach unserer Hochwasserkatatrophe ist abgeklungen, der schlimmste Schmutz beseitigt, ich habe wieder eine Waschmaschine!! und mein Vorratskeller ist jetzt viel schöner als zuvor. Ja, es hatte auch positive Auswirkungen. Und wir haben ausgemistet, und zwar gründlich. Sogar das letzte Babyflascherl, das ich bis jetzt aufgehoben hatte, fiel der Säuberung zum Opfer, irgendwann muss man einfach loslassen, oder?

Die täglichen Abläufe normalisieren sich wieder, und – ach ja – ich habe ja einen Blog! Und meine Kolumne in KOCHEN UND KÜCHE! Und da gibts im Mai wieder einen Beitrag von mir, und zwar über den
Waldmeister!

Waldmeister

Blühender Waldmeister

Waldmeister

Waldmeister vor der Blüte

Auch wenn ich den Großteil meiner letzten Wochen im Keller verbracht habe, auch meinen Urlaub (mal was anderes …), zum Kräutersammeln musste Zeit sein. Und ein Kräutlein stelle ich Dir heute vor.

Der Waldmeister war also der Star meines letzten Artikels für die Kochzeitschrift KOCHEN UND KÜCHE.
Es ist ein wunderhübsches Kraut mit einzigartigem Aroma, aus dem Sirup, den ich jedes Jahr mache, kannst Du herrliche Desserts und Getränke zaubern, und man findet ihn zur Zeit in fast allen Wäldern. (z.B. am Buchkogel bei Wildon und im südsteirischen Weinland).
Mach Dich auf die Suche, verbringe einen mystischen Tag im Wald, träume Dich ins Land von Elfen und Kobolden, und genieße daheim den typischen Duft von Waldmeisterzweigen.
Hier nun wissenswertes und Verarbeitungstipps zum Waldmeister, Du findest sie auch hier:

https://www.kochenundkueche.com/news/waldmeister


Waldmeister in der Küche
Geerntet wird der Waldmeister hauptsächlich im April und Mai, vor der Blüte, danach wird er etwas bitterer im Geschmack, kann aber immer noch verwendet werden. Man pflückt die ganze Pflanze, dabei sollte man den Stiel vorsichtig über dem Waldboden mit dem Daumennagel abknicken, um die Wurzel nicht auszureissen.
Wichtig: Das Cumarin, welches ja für den unverwechselbaren Duft des Kräutleins verantwortlich ist, entwickelt sein Aroma erst, wenn die Pflanze leicht zu trocknen beginnt, man bindet den Waldmeister also zu kleinen Sträußen zusammen und hängt sie an einem luftigen Ort für ein paar Stunden auf, bis sie welk geworden sind. Will man die Zweige für den Winter konservieren, lässt man sie ganz trocken werden und hebt sie lichtgeschützt und luftdicht verpackt auf, so halten sie bis zu einem Jahr.

Waldmeister

Waldmeistersträußchen hängen zum Trocknen an der Luft

Achtung beim Trocknen: verfärben sich die Zweige schwarz, hat das Cumarin zu gären begonnen und das Kraut darf nicht mehr verwendet werden (giftig). Am besten im Freien an einem trockenen, sonnigen Tag aufhängen!
Verwendet wird der Waldmeister unter Anderem für die berühmte Maibowle, welche schon den Germanen im 9. Jhd. bekannt war, und man kann leckeren Waldmeistersirup herstellen, der sich lange hält und zur Aromatisierung für viele Süßspeisen dient.

Getrockneter Waldmeister ist zudem die beste Waffe gegen Kleidermotten! Einfach ein paar Zweige in den Schrank hängen, oder mit Lavendel und Salbei mischen und hübsche selbstgenähte Duftkissen damit befüllen!

Waldmeistersirup
mit Ingwer und Zitronengras

Zutaten, für ca. 700 ml Sirup

etwa 20 Zweiglein frischen Waldmeister
250 g Kristallzucker
500 ml Wasser
1 Stiel Zitronengras
1 Stück Ingwer, etwa 2/2 cm
Saft 1/2 Orange, etwa 70 ml

Zubereitung (20 Minuten ohne Stehzeiten)

Den Waldmeister zu 3 kleinen Büscheln zusammenbinden, an einem luftigen Ort aufhängen und am besten über Nacht antrocknen lassen. Erst in diesem Stadium entfaltet er sein typisches Aroma.

Zucker und Wasser in einem Topf verrühren.  Zitronengrasstiele mit einem Fleischhammer etwas quetschen, Ingwer schälen und  in 4 Stücke teilen, die halbe Orange auspressen und alles in das Zuckerwasser geben. Aufkochen und etwa 5 Minuten  auf kleiner Hitze köcheln lassen.

Die angetrockneten Waldmeistersträußchen mit den Köpfen nach unten in die Flüssigkeit hängen, dazu am besten einen Kochlöffel über den Topf legen und den Bindfaden der Büschel daran befestigen. Die Stiele enthalten Bitterstoffe und sollten nicht mit eintauchen!

https://www.kochenundkueche.com/news/waldmeister

Die Waldmeisterbündel hängen zum Durchziehen im Sirup

Den Sirup mit den Zweigen nun einige Stunden ziehen lassen, je nach gewünschter Intensität etwa drei bis sechs Stunden, eventuell dazwischen kosten.
Den Waldmeister vor dem Entfernen gut ausdrücken und den Sirup durch ein feines Sieb oder Durchseihtuch gießen.
Nochmal kurz aufkochen und heiß in sterile Flaschen füllen. Der Sirup hält sich kühl und dunkel gelagert etwa 6 Monate.

Waldmeister

Waldmeistersirup schmeckt herrlich als Aperitif mit Sekt aufgegossen, gibt der weißen Mischung eine besondere Note, und eignet sich zum aromatisieren von Dessertcremes, Eis, Obstsalat oder Kuchenteig.

Für das nun folgende erfrischende Waldmeister-Sorbet ist es Voraussetzung, dass Du bereits einen Waldmeistersirup hergestellt hast, den benötigen wir hier nämlich! Das Sorbet funktioniert als Grundrezept aber natürlich auch mit Lavendelsirup, Rosensirup oder Erdbeersirup, die findest Du alle auf meinem Blog! Nein, ich füge keine Links ein, so kannst Du ein bißchen in meinen Rezepten herumsuchen!

Waldmeister-Sorbet mit Champagner
und zarten Keksen

Zutaten für ca. 500 ml Sorbet

200 ml Waldmeistersirup
Saft von ½ Limette + Schalenabrieb
250 ml Weißwein
1 – 2 EL Agavendicksaft (je nach erwünschter Süße)
1 Eiweiß
1 EL Staubzucker

Zubereitung (45 Minuten inkl. Gefrieren in der Eismaschine)

Waldmeistersirup, Limettensaft und Abrieb der Schale, Agavendicksaft  sowie Weißwein mischen, in den Behälter einer Eismaschine füllen und unter Rühren gefrieren lassen.
Nach etwa einer halben Stunde ist das Sorbet cremig und milchig weiß.
Nun das Eiweiß mit dem Staubzucker zu steifem Schnee schlagen und löffelweise zur Masse in die Eismaschine füllen.
Noch 5 Minuten weiterrühren lassen, bis das Eiweiß gut untergezogen ist, dann in eine sterilisierte Gefrierdose geben und tiefkühlen.
Nach 3 Stunden ist das Sorbet fest und servierfertig.
Zum Anrichten je eine Kugel Sorbet in eine Sektschale legen, mit Champagner aufgießen und nach Wunsch mit Waldmeisterblüten (oder anderen essbaren Blüten) dekorieren.
Das Sorbet sollte innerhalb von 3 Tagen verwendet  werden.
Alternativ die Zubereitung ohne Eismaschine:
Die Flüssigkeit  in eine flache Auflaufform füllen. Die Form in den Gefrierschrank stellen, nach ca. einer Stunde – die Masse sollte gut angefroren, aber noch nicht ganz fest sein – alles in ein hohes Mixgefäß füllen und mit dem Pürierstab zerkleinern.
Wieder in die Auflaufform geben und erneut gefrieren. Dieser Vorgang sollte 3 Mal im Abstand von je einer Stunde wiederholt werden, nur so wird das Sorbet  schön fein und zart schmelzend, ansonsten bilden sich große Eisklumpen, die sehr unangenehm im Mund sind.
Zuletzt den Eischnee unterziehen und erneut für einige Stunden gefrieren. (ev. auch hier nochmal durchrühren).

Waldmeister

Zarte Vanille – Zungen

Zutaten für ca. 12 Stück
30 g zimmerwarme Butter
45 g Staubzucker
10 g echter Vanillezucker
ein Eiweiß
35 g glattes Mehl

Zubereitung (20  Min. ohne Kühlzeit)
Butter und Zucker cremig rühren.
Eiweiß leicht verschlagen und mit dem Mehl zur Buttermischung geben, vermixen.
Masse in einen Spritzbeutel füllen und ca. 6 cm lange, 2 cm breite Streifen auf ein mit Backpapier belegtes Blech spritzen, je 4 cm Abstand lassen!
30 Minuten in den Kühlschrank stellen, Backofen vorheizen auf 180 ° C.
Zungen etwa 6 – 7 Minuten backen, sie rinnen stark auseinander und werden flach.  Die Ränder sollen nur zart gebräunt sein!
Am Blech abkühlen lassen und zum Sorbet servieren.

Waldmeister

Auch die berühmte Maibowle kannst Du mit dem Sirup ganz einfach herstellen: mische einen Liter guten Weisswein mit 200 ml Waldmeistersirup, gib einige Naturzitronenscheiben hinzu und – auch sehr lecker – einige reife Erdbeeren, und lasse alles im Kühlschrank gut durchziehen. Du kannst natürlich auch noch zusätzlich einige Zweige angetrockneten Waldmeister ins Gefäß hängen!
Gieße mit Sekt auf, garniere mit ein paar frischen Waldmeisterzweigen und serviere es Deinen staunenden Gästen. Zum Wohl!

 

 

 

 

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Selbstgemachte Sojamilch, und superguter Soja-Schokopudding

Vegan leben … noch vor 2 Jahren hat mir das nur ein Lächeln auf mein Gesicht gezaubert! Wieder mal so ein Trend, der alles übertreibt und nicht lange hält. Aber, ich habe mich sehr in unserer Jugend getäuscht, und das zum Glück!
Immer mehr junge Menschen, und auch etwas ältere „junge Menschen“ (so wie ich), machen sich Gedanken darüber, wo unser Essen her kommt und unter welchen Bedingungen die Lebewesen, deren „Produkte“ wir essen (Fleisch, Milch, Honig …) ihr Dasein fristen. Und, mal ehrlich, um heute noch jemanden auf etwas aufmerksam zu machen, muss man extrem anders denken, radikal handeln und konsequent für das kämpfen, was man erreichen will. Und man muss verzichten können!
Die meisten Veganer leben nämlich nicht so, weil sie keine Milch, keinen Käse oder kein Fleisch mögen, sondern weil sie das Leid ihrer Nahrungsproduzenten nicht mehr in Kauf nehmen wollen.
Das erklärt auch die so oft kritisierten Fleischersatzprodukte, aber warum nicht nach einer Lösung suchen, die es einem erleichtert, auf Parmesan oder Schnitzel zu verzichten? Oder auf Milch?
Womit wir nun endlich beim Thema wären!
Auch ich hätte vor einigen Jahren noch erklärt, nicht ohne Kuhmilch leben zu können. Bis ich irgendwann festgestellt habe, dass mir das allabendliche Glas Milch nicht mehr gut tut, und dass es auch nicht mehr gut schmeckt. Mit der Milch meiner Kindheit, die ich am Bergbauernhof direkt aus dem Kuheuter getrunken habe, hat das nichts mehr zu tun!
Und zudem habe ich mich schlau gemacht, was mit einer Kuh so alles gemacht wird, damit sie laufend Milch produziert. Und was mit ihr passiert, wenn sie keine Milch mehr produziert. Dann war es endgültig aus!
Pflanzenmilch war die Alternative, und mit dieser Entscheidung bin ich auch endlich in den Himmel moderner, trendbewusster Milchenthusiasten aufgestiegen. Das klingt jetzt irgendwie sarkastisch, ist aber ernst gemeint. Es hat meinen Horizont und meine Geschmacksnerven um 100 % erweitert, und ich brauche mir auch keine Gedanken über die Haltung von Milchkühen mehr machen, und keinen Stall bauen!
Mandelmilch, Cashewmilch, Hafermilch und Co haben meine Küche erobert, und natürlich mache ich sie selber. Aber der absolute Star unter den „kuhfreien“ Milchersatzgetränken ist meine selbstgemachte Sojamilch. Ich kaufe nie wieder eine, das ist eine andere Welt! Ich bin echt süchtig nach diesem cremigen, ganz leicht nach Bohnen schmeckenden Zeug, das wie schmieriges Porridge den Hals hinunterrinnt, und daran möchte ich Dich heute teilhaben lassen und Dir zeigen, wie Du ganz einfach Deine eigene Sojamilch produzieren kannst.

So wie ja heute fast jedes Lebensmittel, so ist auch Soja umstritten, aber nachdem  ja nicht mehr viele Lebensmittel übrig bleiben würden, wenn wir uns nur mehr von den „undiskutierten“ ernähren würden, muss ich das ein wenig ignorieren. Wichtig ist nur, Sojabohen in Bio-Qualität zu kaufen! Nicht beim Diskonter, nicht im Angebot! Ein guter Bioladen Deines Vertrauens ist hier richtig, ich kaufe meine bei DENN’S Bio- Supermarkt, die ergeben eine tolle Sojamilch.

Sojamilch

Lust auf ein Glas Milch? Los gehts!

Sojamilch

Du brauchst, um einen Liter Sojamilch zu „melken“:
Einen leistungsstarken Blender, z.B. einen VITAMIX (ohne den ich nicht mehr leben könnte!). Zur Not geht auch ein Pürierstab, allerdings musst Du die Milch dann durch ein Durchseihtuch rinnen lassen, um grobe Teile auszusieben, das muss man mit einem Powerblender nicht. (Im Gegensatz zur Nussmilch, die muss immer durchgeseiht werden, um die Flüssigkeit vom Nussmehl zu trennen).

100 g Sojabohnen in Bio-Qualität
400 ml Wasser zum Einweichen

300 ml Wasser zum Kochen
nochmal 500 ml Wasser zum Pürieren
nach Wusch etwas zum Süßen (Reissirup, Agavendicksaft, Birkenzucker …)
nach Wunsch Zimt, Kakao, Vanille (Schote auskratzen!)

Übergieße die Bohnen mit den 400 ml Wasser und lasse sie über Nacht, also ca. 12 Stunden, zum Quellen stehen. Sollte nach den 12 Stunden noch ein Rest nicht aufgesogenes Wasser im Gefäß sein, gieße dieses ab.

Sojamilch

Bio-Sojabohnen, getrocknet und eingeweicht

Gib die Bohnen in einen hohen Topf, füge die frischen 300 ml Wasser dazu, koche das ganze auf und lasse die Sojabohnen 15 Minuten abgedeckt sanft köcheln. Bleib unbedingt in der Nähe, sie schäumen und kochen gern über, vor allem zu Beginn!

Sojamilch

Achtung, Sojabohnen kochen leicht über!

Decke sie nach der Kochzeit zu und lasse sie so abkühlen. Fülle sie in den Blender und püriere einmal kurz durch. Füge nun die 500 ml Wasser hinzu und lasse den Blender nun auf höchster Stufe eine Minute laufen.
Schmecke Deine Milch nun ab, gib also je nach Laune Süßungsmittel und Geschmacksträger hinzu, und mixe erneut eine Minute. Fertig.

Sojamilch

Mein heißgeliebter VITAMIX Blender

Sojamilch

Der Schaum schmeckt genial!

Mit einem guten Blender ist wie gesagt kein durchseihen nötig, die Milch ist supercremig und so lecker, dass ich das ganze Mixgefäß leeren könnte. Aber halt, ich muss noch was übrig lassen, ich möchte noch Pudding machen!

Sojamilch Sojamilch
Meine Sojamilch ergibt den besten Schokopudding aller Zeiten, da braucht man keinen Dr. Oetker und keine Kuh!
Ich fülle die Sojamilch immer in eine Glasflasche mit Patentverschluß (von Jamie Oliver, ich liebe sie), so hält sie 3 Tage im Kühlschrank. Frage nicht welche Beherrschung es mich gekostet hat, das festzustellen. Normal ist sie innerhalb von 12 Stunden weg. Von Kakao bis Omelett kannst Du alles damit machen.

Sojamilch

Sehr praktische Jamie Oliver Patentflasche mit großem Flaschenhals-Durchmesser, so geht das Abfüllen besser!

Schokoladiger Sojapudding, für 2-3 Portionen:

400 ml Sojamilch
20 ml kaltes Wasser
15 g Maisstärke
75 g hochwertige Zartbitterkuvertüre, z.B. Zotter, gehackt
40g Birkenzucker
etwas Zimt

Gib Milch, Schokolade und Zucker in einen Topf und erhitze alles. Löse die Maisstärke (Maizena) in dem Wasser auf und rühre es in die heiße Sojamilch. Rühre nun weiter und lasse die Schokomilch aufkochen, bis sie eindickt (immer rühren).
Schmecke am Schluss mit Zimt ab und fülle den Pudding in hübsche Schalen. Lasse ihn abkühlen, bestreue ihn ev. mit einer Zucker-Zimt Mischung, dann genieße ihn, zu Zweit oder allein! Nicht in den Kühlschrank stellen, das Schokoaroma kommt bei Zimmertemperatur immer am Besten zur Geltung.

Sojamilch

Soja-Schokopudding

Sojamilch

Soja-Schokopudding

 

Der Sommer naht, und ich lebe ja schon viele Jahre (Jahrzehnte …?) in dem Bewußtsein, dass naturnahe, nachhaltig gewonnene Lebensmittel unsere Ernährung bestimmen sollten, ohne damit bewußt einem Trend zu folgen. Aber dieser Trend ist ausnahmsweise einmal wichtig! (Und wenn unbedingt Fleisch, dann bitte vom Bio-Bauernhof Deines Vertrauens).
Es warten also wieder viele vegetarische Genüsse aus meiner Ernte auf Dich, und immer mehr werden sich auch vegane Gericht in meine Ernährung schleichen … ich bin für alles offen, vor allem wenn es der Menschheit hilft!

Also, ich freue mich auf einen „Gemüsigen“ gemeinsamen Sommer!

 

 

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Buchvorstellung „Dinkel, Amarant, Quinoa & Co“, sowie Rezepte für süßes Zimtrisotto und Amarant-Teekuchen

Eine Buchbewertung für meinen Verlag (Leopold Stocker Verlag) ist noch ausständig, ich habe ja zuletzt zwei Bücher bekommen, und das Zweite möchte ich Dir nun heute präsentieren.
Der Titel: Dinkel, Amarant, Quinoa & Co – Korngesunde Köstlichkeiten

Auf dieses Buch habe ich mich besonders gefreut, denn seit meiner frühesten Jugend liebe ich Körner und Getreide. Zum 21. Geburtstag habe ich eine Osttiroler Getreidemühle von meinen Eltern bekommen, diese hat heute noch einen Fixplatz in meiner Küche und wird ständig benutzt. Ich sage jetzt nicht, wie lange das her ist, aber als ich damit anfing, ins Reformhaus zu gehen und dort Leinsamen, Urkorn, Kamut oder Hirse zu kaufen, galt man damit als „Körndlfresser“, was durchaus meist nicht positiv gemeint wurde! Das hat sich zum Glück etwas verändert, und heute trifft es total den Trend, wenn man mit Quinoa oder Amarant in der Küche umgehen kann. Zumindest dort, wo gerne und gesundheitsbewußt gekocht wird!

Die Kapitel sind nach der Körnerart sortiert, es gibt zu jedem Körndl/Getreide einen allgemeinen Teil über Geschichte, Anbau und Eigenschaften, des weiteren Kapitel über Getreideunverträglichkeit, Mehlsorten und Brot backen. Und es gibt deftige und süße Rezepte zu jedem von ihnen. Du findest im Inhalt Amarant, Buchweizen, Bulgur, Couscous, Dinkel, Einkorn, Gerste, Grünkern, Hafer, Hirse, Kamut, Mais, Quinoa, Reis, Roggen und Weizen.
Das Buch beinhaltet viele tolle Rezepte, wie Amarantlaibchen, Buchweizenstriezel mit Nussfülle, Couscousrouladen, Grünkernbraten, Haferflockenschmarren, Polentapizza und etliche mehr. Viele schöne Fotos begleiten die Rezepte und zeigen, wie das Gericht aussehen soll.
Ich habe schon einiges ausprobiert, auf meinem Blog zeige ich Dir ein ZIMTRISOTTO und einen AMARANT-DINKEL-TEEKUCHEN. Die Rezepte funktionieren sehr gut, ein paar Kleinigkeiten habe ich für mich angepasst, wie immer.

 

AMARANT-DINKEL-TEEKUCHEN

Das aussergewöhnliche hier: es werden Amarantpops in die Masse eingearbeitet. Das hat mich sofort fasziniert, denn ich hatte welche daheim, wusste aber nichts rechtes damit anzufangen, ausser sie zum Müsli zu mischen. Also, ab in den Kuchen damit! Die kandierten Früchte meiner Wahl waren Cranberries, und diese wurden bei mir in Amaretto ertränkt. Und im Buch besteht die gesamte Mehlmenge aus Dinkelvollkornmehl. Mir war der Kuchen damit etwas zu schwer und auch recht dunkel, so habe ich nur zur Hälfe Vollkornmehl verwendet und den Rest durch glattes Dinkelmehl ersetzt. Ich habe ihn beim 2. Mal mit Quinoapops versucht, auch das funktioniert bestens.
Dies ist ein wirklich klassischer Englischer Teekuchen, saftig und luftig, schmeckt zu jeder Tageszeit, auch zum Frühstück mit englischer (oder hausgemachter) Orangenmarmelade.

Buchvorstellung "Dinkel, Amarant, Quinoa & Co

Für eine Kastenform brauchst Du:

50 g Zartbitterkuvertüre
50 g Walnüsse
70 g getrocknete Cranberries
3 EL Amaretto (Mandellikör)
eine Naturzitrone, gewaschen
4 Eier
120 g Butter, weich
140 g Staubzucker
70 g Dinkelmehl glatt
70 g Dinkelvollkornmehl
1 TL Backpulver
60 g Amarantpops

Hacke die Schokoalde und die Nüsse mit dem Messer. allerdings nicht zu fein, im Kuche soll man noch auf die Stückchen beissen!
Gieße den Amaretto über die Cranberries, mische durch und lasse sie etwa 30 Minuten ziehen.
Heize den Backofen vor auf 170 Grad Heißluft, buttere und bemehle eine Kastenform.
Reibe die gelbe Schale der Zitrone ab und presse den Saft aus.
Trenne die Eier und schlage die Eiklar zu steifem Schnee.
Mische die Mehlsorten, das Backpulver und die Amarantpops in einer Schüssel und stelle sie bereit.
Gib die Butter, den Zucker und die Zitronenzesten in eine Rührschüssel und rühre die Masse , bis die Butter sehr hell und luftig ist.(oder mit der Küchenmaschine).
Rühre die Dotter nacheinander ein, mixe jedes mal etwa 30 Sekunden gut durch.
Mische nun die Cranberries mit einem EL von der Mehlmischung, und gib diese sowie die Nüsse, Schokolade und Zitronensaft zum Teig, verrühre alles kurz. Zuletzt kommt noch die Mehlmischung dazu und wird nur mehr kurz eingeschockt, bis das Mehl vermengt ist. Hebe den Eischnee mit einer Teigspachtel vorsichtig unter, fülle den Teig in die Form und backe den Kuchen etwa 40 – 45 Minuten.
Bestreue den fertigen Kuchen mit Staubzucker, Du kannst ihn natürlich auch mit einer Zitronenglasur veredeln.

Buchvorstellung "Dinkel, Amarant, Quinoa & Co Buchvorstellung "Dinkel, Amarant, Quinoa & Co

ZIMTRISOTTO

Das zweite Rezept, das ich ausprobiert habe, ist das „Zimtrisotto“ von Seite 140. Jetzt denkst Du bestimmt: „Ach Gott, Milchreis! In dem Buch gibt es bestimmt ausgefallenere Rezepte als simplen Milchreis“!
Ja, das mag schon stimmen, aber gerade an diesen simplen, klassischen Rezepten erkennt man die Qualität eines Kochbuchs, denn jeder kennt das Gericht, hat Vergleichsmöglichkeiten (Oma, Mama, Landliebe …) und hat eine genaue Vorstellung davon, wie es schmecken soll.
Milchreis soll so flüssig sein, dass er beim Auskühlen und Eindicken cremig und samtig bleibt, und nicht fest und klebrig wird wie Kleister. Er muss sich im Mund anfühlen wie eine Wolke Schlagrahm, und muss Wonnegefühle auslösen, wie früher bei Mama. Und keiner soll kommen und sagen: „Naja, der von LANDLIEBE ist besser!“
Und genau all diese Anforderungen erfüllt dieses Rezept. Die Mengen an Reis und Flüssigkeit stimmen genau, der Reis bleibt auch nach dem Abkühlen matschig und cremig wie Risotto, und schmeckt herrlich. Ich habe ein bißchen bei der Fettmenge nachgeholfen, indem ich einen Teil der Milch durch flüssige Schlagsahne ersetzt habe, und auch habe ich am Schluss etwas mehr geschlagene Sahne untergehoben, wenn schon – denn schon! (Fett ist ein Geschmacksträger, ich kanns nicht oft genug sagen …)
Zudem habe ich dem Rezept eine halbe Vanilleschote beigefügt und ihm ein wenig orientalischen Touch verliehen, indem ich einen EL Rosenwasser (vom Türken) beigement habe, das schmeckt toll. Ist aber optional.

Buchvorstellung "Dinkel, Amarant, Quinoa & Co

Für 4 Dessertschalen (oder 6 kleine …) brauchst Du:

400 ml Milch
200 ml Sahne
1/2 Vanilleschote
50 g Zucker
1 TL Zimt
100 g Rundkornreis (bevorzugt Carnaroli Risottoreis, oder spezieller Milchreis)
20 g Butter
50 g weisse Kuvertüre, gehackt oder Drops
1 EL Rosenwasser
150 ml Sahne

Schlitze die Vanilleschote der Länge nach auf, lockere die Körnchen innen ein wenig mit einer feinen Messerspitze. Erhitze die Milch, Sahne, Zucker, Vanilleschote und Zimt und stelle sie beiseite. Erhitze die Butter in einer Kasserolle, schwitze den Reis darin kurz an, lösche mit der Zimtmilch ab und lasse den Reis bei sehr schwacher Hitze zugedeckt etwa 30 Minuten köcheln, rühre immer wieder um.
Der Milchreis ist fertig, wenn die Reiskörner schön weich, aber noch nicht zerkocht sind, und das ganze eine zähflüssige Konsistenz hat. Es dickt mit dem Abkühlen ein!
Entferne die Vanilleschote (alles schön auskratzen!), füge nun in den heißen Reis die Schokolade und das Rosenwasser hinzu, rühre durch bis die Schokolade geschmolzen ist. Schlage die 150 ml Sahne steif und ziehe sie unter den abgekühlten Reis. Verteile das Dessert auf hübsche Schalen und stelle es NICHT in den Kühlschrank, Milchreis schmeckt bei Zimmertemperatur am besten.

Buchvorstellung "Dinkel, Amarant, Quinoa & Co

Also, tue Dir etwas Gutes, gönn Dir ein wenig Körndlfutter, tolle Ideen gibts in Dinkel, Amarant, Quinoa & Co!

 

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