Monat: Januar 2016

Fleischbällchen auf „indisch“, mit wokgebratenem Quinoa

„Indisch interpretierte  Fleischbällchen mit asiatisch orientierter Beilage“, so beginnt  – kompliziert ausgedrückt – mein heuriges Blogjahr.

Fleischbällchen indisch

Fleischbällchen auf „indisch“, mit Wok- Beilage

Nachdem ich das Jahr 2015 mit ganz traditionellen, steirischen Weihnachtskeksen beendet habe, kann ich mir nun diese Fernreise gönnen. Auch wenn mein Gericht diesmal zugegebenermaßen von den Zutaten her etwas anspruchsvoller ist.
Aber schließlich bin ich nicht nur Kochfreak, sondern auch Zutaten-Junkie. Ich liebe fremdländische Lebensmittel, ausgefallene Pasten und Gewürze und kann, ohne einkaufen zu gehen, jederzeit  indisch, türkisch, arabisch oder griechisch kochen.  Auch wenn ich aus diversen Gründen meine geliebten fremdländischen Kulturen nicht selbst besuchen und vorort erkunden kann ( zu wenig Geld und zu viele Haustiere…), so gibt es heute unzählige Wege, sich mit fernen Ländern vertraut zu machen und sich dafür zu interessieren, wie dort gelebt und – natürlich – gekocht wird.

Meine Multi-Kulti-Küche wird natürlich daheim immer wieder sehr humorvoll und kritisch kommentiert, ich bin sozusagen der Alt-Hippie, der zwischen Aromalampen, Räucherstäbchen und indischen Gewürzdosen abenteuerlich duftende Gerichte kocht (Mama, da riechts wieder wie im arabischen  Basar….)

Aber, das Leben ist zu kurz für Langeweile, und sich auf 10 Gerichte mit ein paar kleinen Abwandlungen festzulegen, das war nie mein Ding.

Und los gehts, mein imaginärer fliegender Teppich entgleitet ins ferne Indien…wir beginnen mit der „Glasur“ für unsere Fleischbällchen, sozusagen der indische Mantel, in den wir sie hüllen. Die absolut entscheidende Komponente dieser Sauce ist die Gewürzmischung „Garam Masala“, welche Du heute in fast jedem besseren Supermarkt oder im Bioladen bekommst. ABER!!!…die wirklich authentische Methode ist, diese Mischung selber zu machen, sowie es in vielen indischen Familien täglich geschieht. Der Geschmack und Geruch sind unschlagbar, und die Zeremonie entspannt zudem den Geist! Wie es gemacht wird zeige ich Dir in einem eigenen Post:
Garam Masala Gewürzmischung

Glasur:

2 große Zwiebeln, in dünne Halbringe geschnitten
3 Sternanis
2 EL Tomatenpaste (aus der Tube)
1 EL Garam Masala (siehe Post: Garam Masala)
2 EL flüssiger Honig
2 EL Sojasauce
2 EL Austernsauce
2 EL feingehackter frischer Ingwer
1 EL Reisessig
ein Schuss Branntwein

Gib soviel Erdnussöl in eine Kasserole, dass der Boden gut bedeckt ist, und erhitze es. Nun kommt die Zwiebel hinein und wird ein paar Minuten angebraten. Dann fügst Du die Sternanis hinzu und brätst weitere 5 Minuten unter rühren an. Nun folgt das Tomatenmark und wird wieder einige Minuten mitgeröstet….immer schön rühren dazwischen! Das Tomatenmark muss nun 10 Minuten gut durchgeröstet werden, damit es seinen extrem tomatigen Geschmack verliert. In einem asiatischen Gericht ist das sehr wichtig, das Mark liefert viel tolle Farbe und Geschmackstiefe, aber nach Pizzapaste soll unsere Glasur nicht gerade schmecken!
Zuletzt fügst Du Garam Masala, Honig, Sojasauce, Austernsauce, Ingwer und Essig dazu und lässt alles noch einige Minuten einkochen, bis es so schön glänzt.

Fleischbällchen indisch

Die „indische“ Glasur für unsere Bällchen

Am Schluss mit dem Branntwein „löschen“, umrühren, fertig. Lasse die Sauce etwas abkühlen, entferne die Sternanis  und pürriere sie dann im Blender.

Die Fleischbällchen:

etwa 3/4 Kilo Hackfleisch von Lamm oder Ziege
Eine sehr große Zwiebel, fein gehackt
3 große Knoblauchzehen
2 EL dunklen Muscovadozucker (als Ersatz brauner Demerarazucker)
ca. 100 ml Erdnussöl
2 EL Garam Masala
1 EL Tamarindenpaste (als Ersatz Reisessig oder Aceto Balsamico)
2 EL Kichererbsenmehl
Salz
Vegeta zum Nachwürzen
Sesam zum „Panieren“

Erhitze das Erdnussöl in einer Kasserole und gib die Zwiebel hinein. Lasse sie gut durchschmoren, etwa 10 Minuten. Inzwischen schneide die Knoblauchzehen in kleine Stücke, gib diese in einen Mörser und zerstosse sie zu einer  groben Paste.
Die Paste sowie der Muscovadozucker und Garam Masala kommen dann zur Zwiebel in den Topf und werden etwa 5 Minuten mitgeröstet. Zuletzt fügst Du die Tamarindenpaste (oder den Essig) dazu, rührst nochmal gut durch und läßt alles etwas abkühlen.
Diese Zwiebelmasse sowie Kicherebsenmehl, Salz und Vegeta werden nun ins Faschierte eingearbeitet.

Fleischbällchen indisch

Zwiebel-Knoblauchmasse mit dem Faschierten mischen

Um abzuschmecken, gibst Du am besten einen Teelöffel von der Masse in ein Schälchen und stellst es für 30 Sekunden bei höchster Stufe in die Mikrowelle….diese „Probe“ kostest Du dann und würzt nach belieben nach.
Forme nun schöne runde Bällchen mit etwa 5 cm Durchmesser, rolle sie in Sesam und schlichte sie nebeneinander in eine gefettete Auflaufform.

Fleischbällchen indisch

Die rohen Bällchen in Sesam rollen

Heize nun das Backrohr ein, auf 200 Grad Ober-Unterhitze. Wenn die Temperatur erreicht ist, gieße noch etwa einen Teelöffel Erdnussöl über jedes Bällchen und stelle die Form ins Backrohr. Nach 10 Minuten wendest Du die Bällchen und bestreichst sie mit unserer „Glasur“ (alles aufbrauchen!)

Fleischbällchen indisch

Nach halber Backzeit werden die Fleischbällchen mit der Sauce bedeckt

Nochmals ins Rohr, etwa 15 Minuten, wobei Du nach 8 Minuten auf Grillfunktion umschaltest…die Glasur soll am Schluss richtig schön bruzzeln.

Während die Bällchen im Ofen ihrem sicheren Ende entgegenbruzzeln, machen wir noch schnell die Beilage: im Wok gebratenes Quinoa mit Zucchini.

Du brauchst dafür:

2 Becher fertig gekochtes Quinoa
2 Zucchini, mittelgroß, in längliche Stifte geschnitten ( etwa 5 mal 0.5 cm Stücke)
eine Zwiebel, gehackt
Eine rote Spitz-Paprika, in Streifen geschnitten
Salz, Sojasauce
3 EL Kokosöl (oder anderes hoch erhitzbares Pflanzenöl, z.B. Erdnussöl)

(Quinoa kochen: gib einen Becher Quinoa und 2 Becher Wasser in einen Topf, bringe es zum Kochen und köchle für etwa 20 Minuten, bis das Quinoa weich ist. Dann etwas Salz unterrühren.)

Gib das Öl in einen Wok und erhitze es, es soll noch nicht rauchen, aber recht heiss sein. Füge Zwiebel und Zucchini dazu und rühre und brate einige Minuten durch. Nun kommt noch die Paprika hinzu und wird mitgebraten.

Fleischbällchen indisch

Das Gemüse röstet im Wok

Nach etwa 7-8 Minuten (die Zucchini sollen nicht ganz weich werden!) darf das Quinoa mit in den Wok. Würze mit Salz und Sojasauce, wenn Du es scharf magst, auch etwas Chilisauce. Bruzzle das Ganze, bis auch das Quinoa schön heiss und etwas angebraten ist.

Fleischbällchen indisch

Das wokgebratene Quinoa-Gemüse

Richte das Gemüse-Quinoa mit den Fleischbällchen auf schönen Tellern oder in bunten Schalen an….vielleicht hast Du ein indisch gemustertes Tischtuch, Räucherstäbchen und indische Musik nicht vergessen…
Für ganz skeptische Verfechter der Heimatküche kannst Du ja Vogerlsalat dazumachen, sozusagen als essbare Brücke zwischen den Kulturen!

Fleischbällchen indisch

Fleischbällchen auf „indisch“, mit Wok- Beilage

Fleischbällchen indisch

Zum Anbeißen der Klops…oder?

 

Schönen indischen Abend!!!

 

 

 

 

 

 

 

Please follow and like us:

Garam Masala Gewürzmischung

Fertige Gewürzmischungen nehmen heute im Gewürzregal des Supermatktes schon mehr Platz ein als die einzelnen Grundgewürze bzw. Kräuter. Für jedes nur erdenkliche Gericht – von gebratenem Huhn über italienische Nudelgerichte bis zu Eintöpfen und Curries – kann man eine passende Mixtur finden.
Als dieser „Gewürzmischungs-Boom“ vor einigen Jahren aufkam, habe ich natürlich auch zugegriffen, allerdings haben mich viele der Produkte nicht überzeugt. So habe ich begonnen, mir meine Mischungen selbst zusammenzustellen. Es ist viel spannender, zu experimentieren und mit Geschmäckern zu spielen, und die Qualität und Frische der Mischungen ist natürlich auch besser.
Schwierig ist das gar nicht, Voraussetzung ist nur, dass die Vorratskammer mit vielen verschiedenen Grundgewürzen und Kräutern ausgestattet ist.

Garam Masala

Einige meiner Grundgewürze in einer indischen Masala Daba (Gewürzbox), immer zusätzlich geschützt mit Aromafolie!

In jedem Bioladen kann man sich so eine Grundausstattung zusammensuchen, wer dazu keine Zeit hat, auch im Internet kann man hochwertigste Ware bestellen, z.B. bei ( tolle Qualität!) :

Zauber der Gewürze   

Ich habe Dir auf meinem Blog auch schon einige Mischungen vorgestellt, hier kannst Du nochmal reinschmökern:

Kräutersalz-Trilogie
Hausgemachtes Currygewürz
Rauchiges Chilisalz

Heute zeige ich Dir, wie Du Dein eigenes Garam Masala mischen kannst. Die Bezeichnung „Masala“ kommt aus dem indischen und heißt – na klar – Gewürz. Garam bedeutet „Heiß“, also mischen wir sozusagen ein „heißes Gewürz“! Na das kann ja nicht schlecht sein….

Begründet ist diese Gewürzmischung in der ayurvedischen Lehre. Um unsere Verdauungsvorgänge bestens ablaufen zu lassen, benötigen wir in unseren Eingeweiden sozusagen eine bestimmte innere Hitze. So wurde also eine erhitzende Gewürzmischung zusammengestellt, welche diese innere Hitze steigert und so Verdauungsvorgänge ankurbelt. Diese Mischung ist also sehr bedacht kombiniert und nicht etwa die verrückte Laune eines altindischen Kochs, der seine Gewürzlade aufräumte!
„Das“ Garam Masala Rezept gibt es nicht…es gibt wohl soviele Rezepte wie indische Familien! Jede hat ihr eigenes, und jedes ist natürlich das Original! Es gibt ein paar unumstößliche Grundgewürze, aber drumherum kannst Du experimentieren. Unbedingt enthalten sind: Fenchel, Koriander, Gewürznelken, Kreuzkümmel, Pfeffer und Lorbeerlaub.

Garam Masala

Alle Gewürze meiner Mischung auf einen Blick

In mein „Heißes Gewürz“ kommen:

1 EL Koriandersamen
1 TL Kreuzkümmelsamen
1/2 TL schwarze Pfefferkörner
1 EL Fenchelsamen
1/2 TL Ingwerpuver
1/2 TL Kurkumapulver
1/2 TL Chiliflocken
1/2 TL Salz
etwas Muskatnuss gerieben
2 Lorbeerblätter
etwa 4-5 Gewürznelken
4 Kardamomkapseln
ein 2 cm langes Stück Zimtstange
2 Stück Sternanis

Garam Masala

Salz, Chiliflocken, Kurkuma und gemahlener Ingwer

Garam Masala

Fenchel, Kardamom, Sternanis

Die Gewürze in Form von ganzen Samen bzw. Kapseln werden nun geröstet. Nimm eine kleine beschichtete Pfanne und gib hinein:
Fenchel, Koriander, Pfeffer, Gewürznelken, Sternanis (etwas zerbröselt), Kardamomkapseln, Lorbeerblätter (etwas zerbröselt), Zimtstange (zerbröselt), Kreuzkümmel.
Stell die Pfanne auf den Herd und röste die Gewürze unter ständigen rühren ein paar Minuten, bis sie duften. Achtung: sie dürfen ja nicht anbrennen!!!!

Garam Masala

Die ganzen Körner werden vor dem Mahlen in einer Pfanne geröstet

Gib nun die gerösteten Gewürze in einen Blitzhacker und mahle sie, bis sie mittelfein sind ( ein paar gröbere Stücke dürfen noch zu sehen sein.) Erst jetzt fügst Du die gemahlenen Gewürze dazu und schaltest nochmal kurz ein, um alles zu vermischen. Wenn Du Dein Gewürz ganz fein haben möchtest, musst Du nun solange laufen lassen, bis alles zermahlen ist. Man kann es dann auch noch sieben! Ich lasse es heute relativ grobkörnig, es sieht hübsch aus und man kann beim Essen noch die verschiedenen Komponenten unterscheiden.
Beim Öffnen des Mixbechers riecht es jedenfalls wie in Tausendundeiner Nacht!

Garam Masala

Grob gemahlene Garam Masala Mischung

Fülle Deine Garam Masala Gewürzmischung in einen luftdichten Behälter und bewahre sie lichtgeschützt auf….frisch aus der Mühle ist sie natürlich am aromatischsten, so bleibt sie ein paar Wochen, doch dann verflüchtigen sich die ätherischen Öle langsam. Am besten verbrauchst Du also die Mischung innerhalb von 3 Monaten. Koch halt öfter mal indisch, ist auf jeden Fall billiger und ungefährlicher als jede Fernreise!

Please follow and like us:

Enjoy this blog? Please spread the word :)